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Stöckenburg aktuell

Lebendiger Advent auf der Bastion des Vellberger Städtle

Nur ein Rechtschreibfehler! Nur ein Rechtschreibfehler?

„Weihnacht“ oder „Wehnacht“ - das ist hier die Frage. Diese Frage wurde gestellt - und auch beantwortet, als das letzte Adventsfenster des diesjährigen Lebendigen Adventskalenders auf der Bastion des Vellberger Städtle geöffnet wurde. Die Geschichte, die erzählt wurde, ist so schön, dass sie hier vollständig nachgelesen werden kann.

Es war am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien. Der Lehrer gab die Klassenarbeiten zurück, jetzt hielt er nur noch Martins Heft in der Hand. Er rief den Jungen nach vorn.

„Schreib uns einmal das Wort Weihnacht an die Tafel.“ Und Martin schrieb Weihnacht.

„So ist es richtig“, sagte der Lehrer. Dann nahm er den Schwamm, wischte einen Buchstaben weg und sagte, „In deinem Heft hast du es aber so geschrieben: - Wehnacht“.

Verhaltenes Lachen bei den Mitschülern. Martin wurde rot. „Nur ein „i“ vergessen“, murmelte er, „das kann doch jedem mal passieren!“ 

Der Lehrer wandte sich der Klasse zu: „Als ich den Fehler anstreichen wollte, fragte ich mich, ob Martin hier nicht etwas ganz Richtiges geschrieben hat. 

Die Schüler schauten sich verständnislos an.

„Wenn ich an diesen Tagen durch die weihnachtlich geschmückten Straßen gehe, sehe ich viel Kummer und Weh auf den Gesichtern der Menschen. Manche empfinden ihr ganzes Leben als eine einzige lange Weh-Nacht.

Viele Herzen sind krank vor Heimweh nach einem wirklichen Zuhause. Ich sehe Menschen, die schwere Sorgenlasten tragen. Einsame, die sich vor dem Weihnachtsfest fürchten, weil sie am Heiligen Abend ganz allein sein werden. Kranke, die nicht wissen, ob sie tatsächlich noch einmal das Weihnachtsfest feiern können. Trauernde, die zum ersten Mal das Weihnachtsfest ohne einen geliebten Menschen feiern müssen.

Mancher würde Weihnachten am liebsten ausfallen lassen, weil Streit in der Familie am Heiligen Abend noch mehr weh tut als sonst. Und ein Blick in die Nachrichtensendungen trägt mir die „Wehnacht“ der ganzen Welt ins Haus. Völker in Hunger, Armut und Krieg. Heimatlose im Dunkel und Weh der Angst.

‚Wehnacht’ Davon haben wir gerade im Jahr mehr als genug Beispiele.“

In der Klasse war es still geworden. Das Gelächter war verstummt. „Warum feiern wir denn dann noch Weihnachten?“ fragte jemand.

Nach einer langen Zeit des Schweigens sagte ein Schüler leise:

„Aber war das damals nicht genauso gewesen? Wie war das für Josef, als er wie ein Bettler um Obdach für sich und seine schwangere Frau Maria bitten musste? Und dann diese ungeschützte und schmutzige Umgebung, in der Maria ihr erstes Kind bekam! Wenn das keine Weh-Nacht war: Kein Raum in der Herberge! Der Sohn Gottes in einem Futtertrog. Der Retter der Welt im Hinterhof! Warum?“

„Das habe ich mich auch gefragt“, sagte der Lehrer, „und ich habe nur eine einzige Antwort gefunden.“ 

Er griff noch einmal zur Kreide und malte eine dicke Kerze mitten zwischen das „e“ und das „h“ in die Wehnacht hinein.

„Ich hab’s!“ rief Martin auf einmal, und seine Augen leuchteten: „Weihnachten bringt Licht in unsere Wehnacht!“

„Ganz richtig“, sagte der Lehrer. „So war es damals auf dem Feld bei Betlehem. Mitten in der Nacht leuchtete plötzlich ein helles Licht vom Himmel.

Die Hirten, arme und verachtete Menschen, haben als Erste das Weihnachts-Evangelium gehört. Der Engel Gottes meldete ihnen: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkünde euch große Freude! Denn euch ist heute der Heiland geboren!“ (Lukas 2, 10.11)

„Ich glaube“, fährt der Lehrer mit froher Stimme fort, „ Gott will durch die Geburt seines Sohnes die Enge und die Finsternis unserer menschlichen Wehnächte durchbrechen, um Licht in die dunkelsten Ecken der Welt zu bringen und für alle, die guten Willens sind, die Tür der Hoffnung zu öffnen!“

Ev. Kirchengemeinde Stöckenburg

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